Immanuel Kant (Darstellung von ...) Kants naturtheoretische Begriffe (1747-1780) - Eine Datenbank zu ihren expliziten und impliziten Vernetzungen
 
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Band:02 [Akademie Ausgabe] (452 Seiten)
ausgewaehlter Ausschnitt:Seite 001 bis Seite 012
Kurztitel des Ausschnitts:1757 Kollegank.
Titel:M. Immanuel Kants Entwurf und Ankündigung eines Collegii der physischen Geographie ; nebst dem Anhange einer kurzen Betrachtung über die Frage : ob die Westwinde in unsern Gegenden darum feucht seyn, weil sie über ein großes Meer streichen
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Mich dünkt, dieses sei mehr als zureichend, den Gedanken zum
02 wenigsten zweifelhaft zu machen: daß bei uns die Westwinde ihre Feuchtigkeit
03 von dem gegen Westen gelegenen Meere entlehnen. Es scheint vielmehr,
04 daß die Westwinde in allen Gegenden der Erde eine Ursache der
05 feuchten Witterung abgeben, ob ich gleich nicht in Abrede sein will: daß
06 die Beschaffenheit der Gegenden, darüber sie streichen, öfters diese Eigenschaft
07 verringern könne; so wie in dem südlichen Theile von Persien geschieht,
08 da die Südwestwinde, welche über die verbrannte Gegenden von
09 Arabien ziehen, dürre und heiße Luft mit sich führen. Die Enge des
10 Raumes hindert mich die Ursache von dieser Eigenschaft der Westwinde
11 zu erklären. Sollten nicht dieselbe, da sie dem allgemeinen und natürlichen
12 Zuge der Luft von Morgen gegen Abend, der in dem vierten Cap. der
13 phys. Geographie erklärt wird, entgegen streichen, eben um deswillen
14 die Dünste zusammen treiben und verdicken, damit die Luft jederzeit erfüllt
15 ist? Zum wenigsten, wenn man die Luft als ein Auflösungsmittel
16 (menstruum) der Feuchtigkeit auf der Erde ansieht, so ist es nicht genug
17 sie mit dieser bis zur Sättigung angefüllt anzunehmen, wenn man erklären
18 will, warum sie dieselbe fallen lasse, d. i. warum es regne, sondern
19 man muß eine Ursache anzeigen, die sie niederschlägt (präcipitirt), das ist,
20 die die Luft nöthigt, sie aus ihren Zwischenräumen fahren zu lassen, damit
21 die Dünste sich vereinigen und herabfallen können.

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